Ausgangssituation
Die Amel 55 war ursprünglich mit einer großen AGM-Servicebatteriebank (8 × 160 Ah, 24 V) ausgestattet. Diese Lösung funktionierte zuverlässig, war jedoch schwer, platzintensiv und bot nur begrenzte Energiereserven für den heutigen Komfort an Bord. Durch den Einsatz vieler elektrischer Verbraucher – von Winschen und Kühlgeräten über Mikrowelle und Kaffeemaschine bis hin zu modernen Navigationssystemen – war die Bordenergie oft am Limit. Längere Liegezeiten ohne Landstrom oder Generatorbetrieb waren kaum möglich. Zudem ließ die Leistung der Batterien nach 3 Jahren stark nach. Die Lebensdauer der AGM-Batterien beträgt 3-4 Jahre im wärmeren Revieren.
Energiebedarf und Verbraucher an Bord
Die Amel 55 ist mit umfangreicher elektrischer Ausstattung versehen:
Komfort- und Dauerverbraucher
2 × Kühlschränke
1 × Gefrierschrank
1 × Mikrowelle
1 × Nespresso-Maschine
2 × elektrische Toiletten
Innenbeleuchtung
Pumpen und Bordelektronik
2 × 14“ Kartenplotter
Autopilot
Navigationsinstrumente
Laden von Telefonen & Computern
Hochleistungsverbraucher
4 × elektrische Segelwinschen (Groß, Besan, Fock, Genua)
2 × elektrische Ankerwinschen
Bugstrahlruder
Durchschnittlicher Tagesenergiebedarf
Im normalen Bordbetrieb (2 Personen) ergibt sich ein täglicher Verbrauch von:
ca. 5–7 kWh pro Tag (≈ 200–280 Ah bei 24 V)
Spitzenlasten durch Bugstrahlruder oder Ankerwinsch können kurzfristig mehrere Kilowatt betragen.
Die ursprüngliche AGM-Servicebank konnte davon realistisch nur etwa 3–4 kWh nutzbar bereitstellen – dadurch war täglicher Generatorbetrieb oft notwendig.
Zielsetzung
Ziel war es, die Energieautarkie, Effizienz und Betriebssicherheit deutlich zu erhöhen. Die Anlage sollte:
Mehr nutzbare Energie
Kürzere Ladezeiten
Weniger Generatorlaufzeit
Stabilere Bordspannung
Bessere Kontrolle und Überwachung
Gewichtsreduzierung
und mit bestehenden Komponenten (Landstrom, Generator, Solar) harmonieren
Wichtig war außerdem, die separaten Hochstromverbraucher weiterhin sicher zu versorgen, ohne das empfindliche Bordnetz zu belasten.
Unsere Lösung – LiFePO₄-System mit AGM-Lasttrennung
Service-Batteriebank (neu)
Umstellung auf ein modernes 24-V-LiFePO₄-System:
2 × MG Energy LFP 25.6/304 Ah
ca. 15,6 kWh Bruttokapazität
ca. 13 kWh real nutzbar
MG Master LV 24/600 Batterie-Management-System
Systemsteuerung & Überwachung
Victron Cerbo GX
GX Touch Display
Victron SmartSolar MPPT-Regler (2 × 200 W Solar)
Bestehende Infrastruktur integriert
Mastervolt Ladegeräte 24/100-3 und 24/60
Mastervolt 24 V / 2500 VA Wechselrichter
zusätzlicher 800 VA Wechselrichter
Onan Generator
Separate AGM-Batterien für Hochlastverbraucher
Die AGM-Batterien für:
Bug- u. Heckstrahlruder
Ankerwinschen
bleiben als dedizierte Hochstrombänke erhalten. Wir haben 4 x 220 Ah installiert. Idealerweise werden diese in der Nähe der Verbraucher platziert.
Warum das sinnvoll ist:
Sehr hohe kurzzeitige Stromabgabe, Schutz des LiFePO₄-Systems vor extremen Spitzenströmen. Keine Spannungseinbrüche im Servicebordnetz Redundanz bei Ausfall einer Bank.
Damit entsteht eine klare Aufgabentrennung:
LiFePO₄-Bank für Dauerverbraucher & Komfortsysteme
AGM-Bank für Kurzzeitige Hochstromverbraucher
Diese Hybridstruktur sorgt für maximale Betriebssicherheit und Langlebigkeit.
Ergebnis:
Durch die neue Systemarchitektur ergibt sich:
Mehr als doppelt so viel nutzbare Energie
2–3 Tage Autarkie ohne Generator
Schnelleres Laden
Weniger Gewicht im Servicebereich
Stabile Bordspannung auch bei Hochlast
Digitale Systemkontrolle per Display oder App
Deutlich reduzierter Generatorbetrieb
Fazit
Die Amel 55 verfügt nun über ein modernes, leistungsfähiges und zukunftssicheres Energiesystem.
Die Kombination aus:
leistungsstarker LiFePO₄-Servicebank
separaten AGM-Hochstrombänken
intelligenter Victron-Systemüberwachung
ermöglicht höchsten Komfort bei maximaler Sicherheit.
Das Schiff ist damit optimal für lange Reisen, Ankeraufenthalte und autarken Betrieb ausgelegt – bei deutlich höherer Effizienz und geringerer Belastung des Gesamtsystems.